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Das Spinnen von Naturfasern zu Fäden ist eine der ältesten Techniken der Menschheit. Obwohl über die genauen Anfänge des Spinnens nichts bekannt ist, wurde es vermutlich bereits in der Steinzeit, und auf jeden Fall schon im alten Ägypten, praktiziert. Dass sich Fasern zu Fäden drehen und dann zu Tuch verweben lassen, haben die Menschen also bereits sehr früh, nämlich von der Zeit an, seit es textile Kleidungsstücke gibt, entdeckt. Das Spinnen war bereits sehr früh eine Tätigkeit, die von allen Frauen, egal welchen Standes, ausgeführt wurde. Da es eine recht langwierige Technik ist, mit einer Handspindel zu arbeiten und eine ausreichende Menge an Garn zu produzieren, kann man davon ausgehen, dass Frauen diese Tätigkeit sehr häufig und überall, wo es möglich war, ausgeübt haben. Auch adelige Damen waren hier nicht ausgeschlossen. Man kann sich also gut vorstellen, dass die Bauersfrau auf dem Weg zu den Feldern die Handspindel mitnahm, ebenso wie die adelige Dame zu Pferde mit dem ständig reisenden Hofstaat von Pfalz zu Pfalz wohl dieser Tätigkeit auch hoch zu Ross nachging. Die Handspindel war also bis weit in das Mittelalter hinein das einzig bekannte Gerät zum Verspinnen von Fasern. Wenn man sich vor Augen führt, dass in Europa seit ungefähr dem 10. Jahrhundert vermehrt Städtegründungen stattfanden, die mit der Bildung von Handwerksbetrieben, Gilden und Zünften einhergingen und einen Teil der bäuerlichen Heimarbeit in die Vorindustrialisierung führten, kann man sich den Arbeitsaufwand vielleicht vorstellen, den die Wollmacher aufbringen mussten, um genug Wolle für die Tuchmacherindustrie zu produzieren. Schließlich wurde das Spinnrad in einer der Zunftvorschriften der Stadt Speyer im Jahre 1298 zum ersten Mal erwähnt. Es war ein noch mit der Hand angetriebenes Rad (ohne Trittvorrichtung), das mit einer Hand gedreht wurde, während die andere Hand die Wolle versponn. Die Ersterwähnung des Spinnrades in einer Zunftvorschrift lässt vermuten, dass dieses Gerät auch bereits vor dieser Zeit schon seit längerem bekannt war und bei den Wollmachern zum Ende dieses Jahrhunderts eine Verbreitung kannte, die diese gegenüber den traditionell noch mit der Handspindel arbeitenden Wollmachern direkt Konkurrenz zu machen begann. Daher kann man davon ausgehen, dass das Spinnrad schon vor dem genannten Datum in Deutschland zumindest in den Städten bekannt und verbreitet war. Spinnen mit der Handspindel: Es entbehrt nicht einer gewissen Faszination zu sehen, wie aus einem Stückchen Rohwolle ein Faden entsteht, den man “einfach so” selbst hergestellt hat. Natürlich braucht es ein bisschen Übung, bis ein gleichmäßiges Garn entsteht. Lasst euch also nicht entmutigen, wenn ihr am Anfang eine Reihe “flauschiger schwangerer Regenwürmer” anstelle eines feinen gleichmäßigen Fadens zustande bringt. Ihr werdet sehen, das es mit der Zeit immer besser wird. Doch beginnen wir am Anfang. Wenn ihr euch noch nie im Spinnen versucht habt, solltet ihr bei der Wahl des Materials ein paar Dinge beachten. Die Wahl der Faser: Nun ist Wolle ja nicht gleich Wolle. Es gibt unbehandelte Rohwolle, Wolle im Vlies oder im Kammzug, Wolle mit vollem Fettgehalt oder gewaschene, entfettete Wolle, Merino-, Alpaka-, Fuchsschaf-, Gotland- oder Milchschafwolle usw. Für den Anfang eignet sich kostengünstige Milchschaf- oder Eiderwolle im Kammzug sehr gut, da diese bereits spinnfertig und leicht zu verarbeiten ist. Wollverarbeitung: Das Zupfen: Der Kammzug: Das Waschen: Nachdem die Wolle versponnen worden ist, sollte man sie (jedenfalls nach unseren heutigen Maßstäben und Erwartungen an die Hygiene) dann doch vom Fett befreien und vernünftig waschen. Dies gilt auch und vor allem dann, wenn man die Wolle anschließend noch färben möchte. Hierfür sollte sie auf jeden Fall fettfrei sein, weil die Fasern sonst die Farbe nicht annehmen können, ist ja logisch. Deshalb ist es auch besser, die Wolle erst zu verspinnen und dann zu färben und nicht umgekehrt. Um nun das Fett (und alles andere) aus der Wolle zu waschen, sollte man sie idealerweise mit Wollwaschmittel zusammen in zunächst kaltes Wasser geben. Das Wasser sollte dann nach und nach erhitzt und die Wolle nur leicht bewegt werden (Reibung immer schön vermeiden). Ab einer Temperatur von ca. 60 ° Celsius löst sich das Fett von den Fasern. Man kann Wolle auch bedenkenlos kochen, so lange man die o.g. Punkte beachtet. Das ist ja auch beim Färben später unvermeidlich. Beim Spülen sollte man dann auch wieder darauf achten, Temperaturschocks zu vermeiden und nach und nach immer kühleres Wasser hinzugeben. So bleibt die Qualität der Wolle auch erhalten.
Es gibt eine große Vielfalt an Handspindeln in verschiedenen Ausführungen, Größen und Gewichten. Für den Anfänger eignet sich eine Spindel, die sich möglichst lange selbständig dreht und dabei nicht zu leicht und nicht zu schwer ist. Mit sehr leichten Spindeln kann man zwar schön feine Garne spinnen, aber zu Beginn kommt es ja zunächst einmal darauf an, einen gleichmäßigen Faden zu produzieren, der ruhig etwas dicker sein darf. Je schwerer die Spindel ist, um so dicker muss der Faden sein, damit er nicht durch das Eigengewicht der Spindel reißt. Die kleine Spindel mit dem Tonwirtel (hier in der Abbildung ganz links) ist eine Rekonstruktion aus dem 12. / 13. Jahrhundert. Sie hat nicht sehr viel Drall und ist relativ leicht - daher für den Anfänger vielleicht nicht das beste Modell, obwohl es beim Mittelalter- Reenactment natürlich auch darauf ankommt, was authentisch ist. Zum Üben zu Hause ist meiner Meinung nach eine Tellerspindel (wie in der Mitte und rechts in der Abbildung) sehr gut geeignet. Diese drehen sich relativ lange von allein und haben auch meist ein ausreichendes Gewicht für den Anfänger. Das ist natürlich alles auch Geschmacksache. Ich persönlich habe von Anfang an ein relativ leichte Handspindel mit Tonwirtel benutzt. Am besten ist es, für sich selbst auszuprobieren, womit man am ehesten klarkommt und welche Spindel jeder einzelne als angenehm empfindet. Das Spinnen :
Bevor man mit dem Spinnen beginnt, muss man erst einmal einen Anfang haben, an den man anspinnen kann. Hierfür eignet sich jedweder Faden, solange er sich am Ende ausfransen lässt. Diesen Faden nennt man Vorfaden. Such dir also einen ca. einen Meter langen Faden (z.B. von einem Knäuel gekaufter Wolle). Diesen Faden wickelst oder knotest du um den Stab der Spindel genau über dem Wirtel oder Teller, so dass er sich nicht sofort wieder löst. Dann schlingst du den Faden einmal um die Spitze der Spindel, führst ihn wieder zurück und machst oben in Höhe der Kerbe eine halbe Schlinge (siehe Abb. 2 hier links). Ich selbst führe den Faden unten nie herum sondern wickle ihn ein paar mal um den Stab, so hält es auch und das Gleichgewicht ist auch dabei nicht gestört. Nun sollten noch ca. 5 - 10 cm Faden am oberen Ende übrig bleiben. Das Ende des Fadens wird auf ca. 2 cm aufgefasert, so dass es schön “ausgefranst” ist. Der Faden kann so nämlich besser die zu verspinnende Wolle fassen. Du kannst die Spindel jetzt schon einmal nur am oberen Ende des Fadens halten und sie wie einen Kreisel anschubsen, so dass sie sich frei drehen kann. Auf diese Weise bekommst du ein Gefühl dafür, wie es geht, ohne dass die Spindel schlingert. Versuche es so zu machen, dass sie sich gleichmäßig dreht. Schauen wir uns nun die Wolle an. Wolle im Kammzug ist bereits in eine Richtung gekämmt und besteht aus einem sehr langen Strang. Das ist natürlich viel zu viel auf einmal. Am besten teilst du den Anfang des Stranges und nimmst dir nur eine kleinen Teil davon, der vielleicht 30 cm lang und nicht mehr als 2 cm breit ist. Um dieses Stück vom restlichen Strang zu trennen nimmst du einfach die Hände und ziehst das von dir benötigte Stück einfach heraus. So entstehen bereits ausgefaserte Enden, die gut greifen. Nimm nun ein Ende deines Stücks Wollfaser so in die linke flache Hand, dass die Faserenden parallel zu deinen Fingern verlaufen und der Rest des Stücks hinter deiner Hand liegt. Du kannst auch den Rest der Wolle in deinen Ärmelausschnitt stopfen, dann fällt nichts runter. Nun legst du das ausgefranste Fadenende (das an der Spindel) quer auf die Faserenden und hälst es mit dem Daumen der linken Hand fest. Dabei solltest du darauf achten, dass ein sogenanntes Faserdreieck entsteht. Damit ist gemeint, dass die Fasern bzw. das Ende des ausgefransten Fadens ein Dreieck bildet, dessen untere Spitze im Faden selbst zusammenläuft, während die Fasern darüber aufgefächert liegen. (siehe Bild unten). Beim Anspinnen ist es auch wichtig, dass der Anfang des Fadens nicht unter sondern auf den Wollfasern liegt, damit sich diese mit dem Faden verzwirnen können.
Nachdem du deine linke Hand soweit ausgestattet hast, gibst du der nun frei hängenden Spindel mit der rechten Hand einen Schubs, so dass sie anfängt, sich in eine Richtung zu drehen. In welche Richtung du sie drehst, bleibt dir überlassen. Die Hauptsache ist, dass du die gewählte Richtung während des gesamten Spinnvorganges beibehälts. Wenn die Spindel sich jetzt dreht, greifst du mit der rechten Hand unten an dein Faserdreieck (wie in Abb.3 zu sehen) und wartest einen kleinen Moment, bis der Drall der Spindel nach oben in den Faden gewandert ist. Dann ziehst du vorsichtig ein bisschen an den Fasern und dem Vorfaden und lässt dann die rechte Hand kurz los. Der Drall im Faden wandert hoch und verzwirnt dein erstes Stück Faden. Nun greifst du wieder das Faserdreieck unten an der Spitze, ziehst weitere Fasern aus dem Dreieck, lässt kurz los usw. Dabei ist es wichtig, dass sich die Spindel immer weiter dreht. Du musst sie also immer wieder mit der rechten Hand neu anschubsen, wenn sie an Drehung verliert. Am Anfang wird dir die Spindel vermutlich immer mal wieder herunterfallen und der Faden reißen. Mach dir nichts draus, das passiert sogar mir noch ab und zu. Wenn du so viel gesponnen hast, dass die Spindel fast den Boden erreicht hat, weil der Faden entsprechend lang geworden ist, dann wickelst du den frisch gesponnenen Faden auf den Stab der Spindel auf. Am besten geht es, wenn du den Faden zuerst auf die linke Hand wickelst, während die Spindel noch frei in der Luft hängt. So geht die Spannung aus dem Faden nicht verloren und er bleibt stabil. Dann wickelst du den Faden von der linken Hand auf die Spindel und befestigst anschließend das Ende genau wie vorher den Vorfaden. Nun kannst du weiter spinnen wie oben beschrieben bis die Spindel voll ist oder du genug Faden für deinen Bedarf gesponnen hast. Hier noch einmal die wichtigsten Punkte, die du beim Spinnen beachten musst:
Das Zwirnen: Schöne Effekte kann man übrigens erzielen, wenn man einen dicken und einen dünnen Faden miteinander verzwirnt - das ergibt dann ein richtiges Effektgarn. Eine weitere Möglichkeit ist, zwei verschiedenfarbige Fäden zu verzwirnen. In wie weit dies im Mittelalter jedoch praktiziert wurde, kann ich leider nicht sagen.
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