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Bau einer Wikingertruhe/Ruderbank

Man braucht definitiv ein Behältnis zum Transport und Lagerung des ganzen Geraffels. Es soll ja nicht nass werden. Außerdem ist etwas worauf man sitzen kann zum Rudern auch recht zwingend. Hmm, eine Truhe und eine Sitzbank, zwei Dinge die man gegebenenfalls beide schleppen muss. Also warum nicht das Praktische mit dem Nützlichen einfach kombinieren?
Und ich kann euch sagen, ich möchte meine Truhen nicht missen. Sie bieten im Moment die Hauptsitzgelegenheiten in unserem Lager, denn ich habe zwei davon und eine Truhe bietet für zwei Personen Platz. Außerdem sind sie auch noch durch ihre robuste Bauweise sehr gut als Tritt geeignet.
Aber nun genug der Schwafelei, wenden wir uns also dem Bau zu.

Ich habe mir die Dimensionen der Truhe so gemacht, dass ich sie bequem quer in mein Auto (Volvo 440) stellen kann.
Also zum Baumarkt und passendes Holz besorgt.
Warum Baumarkt? Weil es bei "Max Bahr" Regalbretter aus Fichte gibt, die schon fast die korrekten Maße haben. Es brauchen nur noch geringste Veränderungen vorgenommen werden. Es bleibt daher kaum Verschnitt übrig und ist somit günstig.


Warum Weichholz (Fichte/Kiefer)?
Oh ja, eine Kiste aus guter fester und vor allen Dingen schwerer Eiche wäre natürlich super, aber mir geht es hier auch um Ökonomie. Schließlich will nachher ja auch alles transportiert werden und nicht jeder hat einen großen Anhänger oder Transporter und genügend Spritgeld. Also, was habe ich von einer Truhe, so schön sie auch sein mag, die leer mehr wiegt als meine Truhe aus Weichholz, wenn sie bis zur Oberkante gefüllt ist?

Aus dem Baumarkt hole ich nun:

  • 3 Regalbretter 800mm x 300mm x 18mm
  • 1 Regalbrett 800mm x 250mm x 18mm
  • 1 Küchenplatte 800mm x 220mm x 40mm (Leimholz, kein Pressspan oder ähnliches)
  • Diese muss allerdings zugeschnitten werden, am besten nach Resten erkundigen.
  • Scharniere, die nicht zu lang sind. Sie sollten die Mitte des Deckels später nicht großartig überschreiten.

 

 

Abb. 1

1. Die langen Seiten

Als erstes nehmen wir uns zwei Bretter unseres Dreierstapels und zeichnen uns an der linken und rechten Seite der Bretter die Verzahnung an. Die Maße können hierbei der Abbildung 1 entnommen werden. Man merke hier, die Tiefe der Verzahnung ist immer die Stärke der Bretter mit denen man arbeitet. Bei dem Brett, welches nachher die Rückwand mit den Scharnieren darstellt, fallen nun noch ein paar weitere Arbeiten an. Die Scharniere können wir auf zweierlei Arten befestigen. 1. Das Gelenk steht hervor. Bei dieser Variante brauchen wir jetzt nur noch die Löcher für die Befestigung anmarkern und bohren. 2. Das Gelenk ist auf der Innenseite im Verborgenen und somit nicht im Weg (eine Verletzungsgefahrenstelle weniger). Ich hab mich bei meinen Truhen für die zweite Variante entschieden. Also machen wir jetzt noch, wie beim unteren Brett in Abbildung 1 zu sehen, keilförmige Aussparungen mit feiner Säge (perfekt ist hier die Puk- oder auch Metallsäge) und Stechbeitel. Jetzt können wir das Scharnier anlegen und die Löcher zur Befestigung anmarkern. Das Gelenk des Scharniers sollte hier zur Hälfte verborgen sein, den Rest verdeckt später der Deckel.

 

 

Abb. 2

2. Die kurzen Seiten

Die Wikingertruhe läuft nach oben hin konisch zu, d.h. oben ist sie schmaler als unten. Wir nehmen uns jetzt das letzte der Bretter vom Dreierstapel und zersägen es so, dass wir zwei Bretter von 37cm Länge und 30cm Breite haben, die nachher die linke und rechte Wand der Truhe bilden.
Jetzt wird am oberen Ende des einen Brettes sowohl links als auch rechts ein Abstand von 4cm markiert. Unten machen wir das Gleiche mit einem Abstand von jeweils 2mm. Nun verbinden wir die markierten Punkte und haben unsere konische Form (siehe Abb. 2 o.l.).
Jetzt wird das überflüssige Holz abgesägt. Hierbei sollten wir auf die Stärke des Sägeblattes achten und so ansetzen, dass die Markierungen gerade eben mit abgesägt werden, aber nicht mehr.
Nun übertragen wir die Einschnitte für die Verzahnung mit einem rechten Winkel oder Geodreieck (siehe Abb. 2 o.r.) und sägen hier wieder mit einer feinen Säge links und rechts ein. Den Rest entfernen wir mit dem Stechbeitel und zum Glätten mit einer Pfeile.
Als Letztes kommen nun die Löcher für die Verzahnung der Bodenplatte; hier gehen wir vom Boden gesehen 7cm nach oben und dort von aus nach links bzw. rechts 5cm und zeichnen dort Rechtecke mit den Maßen Höhe: 1,8cm und Länge: 5cm ein.
Wie man solche Löcher ausschneidet, habe ich schon in der Anleitung zum Bau eines Bettes erklärt, daher denke ich, kann ich es hier getrost beiseite lassen.

Wir wiederholen jetzt noch mal "Punkt 2" für das zweite der Bretter.

 

 

Abb. 3

3.Der Boden

Das Bodenbrett bearbeiten wir Anfangs genau so wie das Front- und Rückenteil in "Punkt 1", allerdings ohne die Einschnitte für die Beschläge zu machen.
Wir müssen hier lediglich dahingehend ergänzen, dass wir die Breite und Schrägung der Seiten der Bodenplatte der konischen Bauform der Truhe anpassen. Hierfür bietet es sich an den Verschnitt der kurzen Seitenteile aus "Punkt 2", um sie wie eine Schablone zu nutzen und den genau gesägten Winkel zu übertragen. Dieser kann nun sehr vorsichtig mit einer Stichsäge mit Winkeleinstellung gesägt oder mit Raspel und Feile abgetragen werden. Bei der Stichsäge sei darauf zu achten, dass schon ein leichter Druck nach links bzw. rechts das flexible Sägeblatt biegt und der Schnitt an der Oberkante noch gut, an der entgegengesetzten Kante, die wir erst nach dem Sägen sehen können, aber krumm und schief ist.

 

 

Abb. 4

4. Der Truhendeckel

Für den Truhendeckel können wir es uns nun einfach oder schwer machen: Die Aushöhlung in der Deckelinnenseite können wir einerseits mit der Oberfräse oder mit dem Rundbeitel und Hammer herstellen, während wir die Rundung auf der Außenseite mit dem Elektrohobel oder dem Zugmesser abtragen können. Natürlich ist man hier mit den Elektrowerkzeugen schneller, aber gerade bei der Deckelinnenseite ist das Ergebnis mit dem klassischen Werkzeug homogener (siehe Abb. 4).

 

Abb. 4a

Jetzt machen wir nur an der Auflagefläche zum Torso der Truhenrückwand zwei Aussparungen und zwar genau passend zu den Stellen an der Truhenrückwand, damit die Gelenke unserer Scharniere nachher verschwinden. Die Aussparungen machen wir mit der gleichen Technik wie bei der Rückwand.

 

 

Abb. 5

5. Die Scharniere

Die Scharniere, die wir aus dem Baumarkt besorgt haben, haben zwei Macken. 1. sie sehen viel zu neu und glänzend aus und 2. sie sind gerade und und passen so gar nicht auf den Deckel (siehe Abb 5 l.). Um sie alt wirken zu lassen, brauchen wir sie nur etwas in ein Lagerfeuer zu legen, was uns bei unserem Hobby ja nicht schwer fallen sollte; bei der Biegung allerdings wird es schon etwas kniffeliger. Erstmal ist die Form des Scharniers etwas zu gleichmäßig und modern. Wir zeichnen unsere gewünschte Form auf (siehe Abb5 m.l.) und tragen nun das überschüssige Material mit Hilfe von Säge, Winkelschleifer (Flex) und Feile ab. Solltet Ihr eine gut gelüftete Werkstatt zur Verfügung haben, könnt Ihr auch alles ausschließlich mit dem Winkelschleifer machen, aber der macht auch am meisten und feinsten Dreck. Nun haben wir unsere gewünschte Form (siehe Abb. 5 m.r.) - jetzt fehlt uns nur noch die Biegung. Mit einem Schweißgerät oder einer Lötlampe erwärmen wir erstmal die lange Seite des Scharniers. Wenn es rot glühend ist, bringen wir es mit einem Hammer langsam in Form. Zwischendurch immer wieder in Wasser abkühlen und an den Deckel halten um zu beurteilen, wie viel noch anzupassen ist. (siehe Abb. 5 r.)

Abb. 5a

So, jetzt können wir schon mal alles zusammenstecken um zu sehen, ob wir präzise genug gearbeitet haben und um gegebenenfalls etwas nachzuarbeiten.
Sollten wir die Scharniere lange bombenfest haben wollen, können wir jetzt an den passenden Stellen vorbohren und die Scharniere mit Nieten an Rückteil und Deckel befestigen. Ich persönlich habe Nägel benutzt, da ich sie schöner finde als Nieten. Aber auch bei Nägeln sollten wir mit kleinem Durchmesser vorbohren, da sonst beim Nageln die Spannung durch Materialverdrängung im Holz zu groß werden und das Holz spalten könnte.

 

 

6. Alles Zusammensetzen

Jetzt setzen wir alle Teile mit Hilfe von Leim - ich kann Euch hier nur Ponal wärmstens empfehlen - zusammen. Wenn wir auf Nummer Sicher gehen wollen, können wir noch alles mit Nägeln fixieren. Gerade am Boden bringt das die nötige Stabilität. Schöne, geschmiedete Nägel findet man an vielen Stellen im Internet.
Bei den Scharnieren bietet es sich an, auf der Gegenseite - sprich da, wo die Spitze des Nagels austritt - eine Unterlegscheibe mit einem schmalen Innendurchmesser zu platzieren, um dann den Nagel darauf umzuschlagen.
So, nun die Truhe noch schon mit Leinöl oder Holzlasur behandeln und fertig ist sie!.

Abb. 6
Abb. 6a


Hier können Sie Sich einen Film ansehen, welches die Truhe in ihrer vollen Gänze zeigt. Die Animation ist 852 KB groß und benötigt einen aktuellen Flashplayer.

Für die armen Pilger, die aus mir unerfindlichen Gründen keinen Flashplayer besitzen, hier noch ein Link zum Download der erheblich größeren (2,3MB) AVI-Datei.

Ich hoffe, es war alles leicht nachzuvollziehen und zu bauen. Über ein positives Feedback würden wir uns natürlich freuen.